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Ein Leben für den Ballsport

Aktualisiert: 18. Dez. 2023


Am 01.09.2022 – vierzehn Tage nach seinem 72. Geburtstag - übergab Cyrill Keller seinem ältesten Sohn Oliver die Leitung der THDAG, in die er seit der Gründung vor 46 Jahren viel Herzblut investiert hat. Dieser Anlass verdient eine Hommage an einen Unternehmer, der sein ganzes Leben dem Ballsport und der Jugendförderung gewidmet hat.

Die spannende Lebensgeschichte von Cyrill nimmt ihren Anfang in Zürich Friesenberg, am Fusse des Uetlibergs, wo er als siebter Spross in eine elfköpfige Familie hineingeboren wird. Er erlebt in bescheidenen Verhältnissen einen unversiegbaren Quell schönster Jugendjahre zusammen mit seinen Geschwistern. Seine geliebte, grossherzige Mutter Ida vererbt ihm Lebhaftigkeit, Schlagfertigkeit und den Sinn für ernste Lebensgesinnung. Aus dem Blut seines stets bewunderten Vaters Josef, der auch Tennis und Boccia spielt, schöpft er Kampffreudigkeit, praktische Veranlagung, unternehmerisches Denken und Verbundenheit zum Sport.

Seit seinem vierten Lebensjahr spielt Cyrill Tennis. Wenn immer möglich ist er als «Ballebueb» im Einsatz, um sich einen Batzen zu verdienen. Bereits als Achtjähriger spürt er seinen innigsten Wunsch im Herzen. Ein Sportinstruktor-Studium in Magglingen ist sein «Sport-Traum». Er ahnt schon damals, dass der Ballsport sein Leben prägen und er darin Erfüllung finden wird. Doch als Zehnjähriger fühlt er sich plötzlich zum Fussball hingezogen. Bis 17jährig spielt er bei GC und später beim FC Wiedikon in der ersten Mannschaft. Er eifert seinem Vorbild Rolf Blättler nach, vernachlässigt in diesen Jahren aber seine Tennisentwicklung.

KV-Lehre und Bankjob

Nach der Schule absolviert Cyrill - entgegen seines Traums, seiner Berufung und seinem Naturell - eine KV-Lehre und findet sich wie schon sein Vater in einem Bankjob wieder.

Im Militär wird er zum Lastwagenfahrer und später in Dübendorf zum Fliegerbeobachter ausgebildet. Danach meldet er sich freiwillig als Kochgehilfe, was er bis zum Ende seiner Militärzeit ausüben wird. Kurz nach der Rekrutenschule verlässt er das traute Heim und zieht mit seinem Jugendfreund Reto Kuhn nach Dübendorf in eine Dreizimmer-Wohnung. Es soll der entscheidende Wendepunkt und Anfang einer beispiellosen Berufs-Laufbahn als selbstständiger Tennistrainer sein. Die Tennisanlagen bei Schuhmacher in Dübendorf, bei Swissair in Bassersdorf und in Küsnacht sind seine neuen Arbeitsplätze. Was er mit acht Jahren bereits wusste, setzt er zwölf Jahre später in die Tat um. Er holt die Ausbildungen zum Tennis-lehrer, zum J+S-Trainingsleiter und Wettkampftrainer B nach und spielt Turniere, so oft es die karge Freizeit ermöglicht, um Erfahrungen zu sammeln und seine Technik zu verbessern. Immer behält er seine Vorbilder John Newcombe, Adriana Panatta und Björn Borg im Fokus.

Ein wichtiger Meilenstein ist die Einrichtung einer jährlichen Tennis-Ferien-Aktion auf Mallorca im Jahr 1972, die er mit seinem Tennisfreund Benny Tanner ins Leben ruft. Ein voller Erfolg, der 2022 das 50-jährige Bestehen feierte! «Zusammengerechnet habe ich fünf Jahre dort verbracht und müsste eigentlich das Bürgerrecht erhalten», meint Cyrill lachend.

Sein Einsatz hinterlässt Spuren

Der unermüdliche Einsatz hinterlässt verdiente Spuren: Im Januar 1974 gewinnt Cyrill ein grosses Turnier, das ihn auf die Titelseite des «SMASH»-Magazins bringt.

Ein Spielleiter des Tennisclubs Dietlikon überredete ihn 1975, zwei Tage pro Woche als Trainer zu unterrichten. Obwohl Cyrill anfangs sehr skeptisch ist, lässt er sich darauf ein. Auch diese Entscheidung entpuppt sich als weiterer wichtiger Wendepunkt in seiner Karriere.

Das folgende Jahr nennt er scherzhaft das «verrückte» Jahr. Die Gründung und Eröffnung des ersten Squash-Centers der Schweiz in Rümlang ist das erste «verrückte». Er realisiert dies mit 10'000.-Eigenkapital und einem Darlehen von 90'000.- von einem Freund. Die Tennis-Ballonhalle in Dietlikon, die er mit drei Aktionären zu je 10'000.- realisiert, ist das Zweite. Seinen fehlenden Anteil erhält er als Darlehen von einer ehemaligen Schülerin. Das dritte «Verrückte» ist die Gründung der Tennisschule THDAG zusammen mit Edgar Trudel. Mit Stolz erwähnt Cyrill in diesem Zusammenhang die sechs Schweizer-Meister-Titel, die von vier verschiedenen SpielerInnen gewonnen wurden, die alle ihr Rüstzeug in dieser Schule holten. Im Jahr 1983 wird die Ballonhalle durch eine Polygonhalle mit fester Alukonstruktion ohne Luftdruck ersetzt. Sie wird jeweils im Herbst auf- und im Frühling wieder abgebaut und neben der Anlage gelagert. Die Firma Piatti zügelt die 22 Tonnen schwere Halle 1999 an den heutigen Standort, wo sie anderthalb Jahre später der heutigen weicht. Dankbar erinnert sich Cyrill an Eugen Binz, den damaligen Präsidenten des TCD, der ihm nicht nur während der «Polygon-Hallenepoche» stets eine massgebliche Stütze und grosse Hilfe ist. Zum Kreis der Helfer gehören auch Ernst Oertli seit 1976 und Walo Wenger seit 1980, beide als Trainer bis zur Pensionierung dabei. Ebenso Marco Heeb seit 1984 und Fabio Hildebrand seit 2000, beide als Trainer noch immer dabei. Es ist ihm ein grosses Bedürfnis, all seinen Weggefährten für ihre Treue und grosse Hilfe in all den vielen Jahren des gemeinsamen Schaffens Danke zu sagen.

Es ist nur ein Schritt in die zweite Reihe

Der Ballsport war und bleibt Cyrills Leben, Tennis seine Welt und der Tennisplatz seine Bühne. Die tiefen Wurzeln, die er in «seinen Hallen» geschlagen hat, sind auf ewig verankert. Er wird seinen Sohn Oliver als neuen Geschäftsführer unterstützen. Er wird mit seinen schlagfertigen Sprüchen und seinem unvergleichlichen Lachen weiterhin in der Tennisanlage zu hören sein und auch die Donnerstags-Jassrunde bereichern. So wie er alles, was er anfasste und alle, die ihn begleiten durften, bereichert und geprägt hat. Sei es als Sportler, als Trainer, als Geschäftsmann oder einfach als wirklich feiner Freund und Familienmensch. Ganz getreu der Essenz seines geliebten Tennis: Hindernisse überwinden und anderen den Ball zuspielen!


Oliver Keller - der neue Geschäftsführer der THDAG

„Oli“ - wie ihn alle rufen - rannte wie sein Vater Cyrill bereits als 4-Jähriger den Tennisbällen nach. Sportlich faszinierte ihn aber auch Fussball und Fitness. Seine Leidenschaft gilt dem Reisen, mehr aber noch dem Kochen, das er bereits als 12-Jähriger erlernte. Sein Lieblingsmenü ist Thai und seine bevorzugten Getränke Grüntee und Rotwein. Als 20-Jähriger erlebte er als Panzergrenadier die harte Seite des Erwachsen-Werdens. Polizist, sein erster Berufsgedanke, währte nur kurz. Denn ein bekanntes Musiklabel funkte in seine Zukunftspläne, wo er engagiert und loyal in verschiedenen Bereichen eine bewundernswerte Karriere hinlegte. 21 Jahre blieb er dem Unternehmen treu, leistete aber nebenbei die letzten 5Jahre zwischen 10 und 20 Prozent Aushilfe in der THDAG bis zu dem Zeitpunkt, als sein Vater ihn am 1.9.22 zum Geschäftsführer berief. Geboren am 25.9.1979, ist Oli mittlerweilen fünf Jahre mit seiner stets positiv denkenden Frau Cely verheiratet, die er voller Stolz als das Beste in seinem Leben bezeichnet. Sie schätzt seine freundliche Art, seinen Ehrgeiz, sein unerschütterliches Selbstbewusstsein und schmunzelt bezüglich seiner Ungeduld: „Er muss immer Vollgas geben“. Cely ist überzeugt, dass Oli seinen neuen Job verantwortungsbewusst und voll motiviert erfüllen wird, beseelt vom Gedanken, die Erwartungen seines Vaters in allen Belangen zu erfüllen. Er werde alles tun, damit die Tennishalle Dietlikon auch für die Jugend immer attraktiv bleibt. Dies ist mit ein Grund, dass sich Oli im Sommer 2023 zum J+S-Leiter ausbilden liess und weiter an seiner Trainerausbildung arbeitet. Genau wie seine Frau Cely sagte: «immer Vollgas»!

Autor: Alex Eugster



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